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Auf nach Venedig mit einer praktischen Anleitung und Tipps für Anreise und Parken

Die große Sehnsucht nach der fernen Lagune.

Die Sehnsucht nach Venedig ist ein eigenartiges Gefühl, ein unruhiger Punkt irgendwo zwischen Magen und Herz, der anfängt zu vibrieren, sobald man das Wort nur denkt. Er saß da, in seinem deutschen Wohnzimmer, und starrte auf die leere Straße, aber was er sah, war das flirrende Licht auf dem Canal Grande, das sanfte Klatschen des Wassers an moosbewachsenen Pfählen, das ferne Rufen eines Gondoliere. Er musste hin. Und dieses Mal nicht fliegen, nicht rasen. Dieses Mal wollte er anreisen, langsam, den Weg erfahren, die Distanz spüren, die zwischen Heimat und Wunder liegt. Die Reise sollte kein Zwischenraum sein, sondern der erste Akt des Märchens. Er beschloss, das Auto zu nehmen.

Die Karte breitet sich wie ein Versprechen aus.

Mein Finger fuhr die blauen und roten Linien nach, von meiner Heimatstadt Dresden, wo früher mal Süden war, man sich heute aber geografisch mutig als‚ Mitteldeutschland definiert, südwärts, immer südwärts, bis zu dem Fleck, der aussah wie eine Hand, die ins blaue Nichts tauchte. Die Alpen waren eine gewaltige, braun-grün-weiße Barriere dazwischen. Die Logik schlug die Brennerautobahn vor, den geradlinigsten Schnitt von Deutschland über Österreich nach Italien. Aber mein Sinn verlangte nach Kurven, nach Geschichten. Da war die alternative Route, westlicher, über die Tauernautobahn, ein Name der nach Abenteuer klang. Oder der Weg durch die Schweiz, gespickt mit den mythischen Namen der Pässe: Splügen, Simplon, Gotthard. Jede Linie auf der Karte war ein mögliches Kapitel. Ich wusste, egal welche ich wählte, das Ziel war immer das gleiche: Venedig. Die praktischen Hinweise begannen sich in meinem Kopf zu formieren, ein Gerüst aus Maut und Tankstellen, aber das war nur das Skelett. Jetzt ging es darum, Fleisch und Atmosphäre darauf zu ziehen.

Die Jahreszeiten auf der Fahrt nach Süden erleben.

Jede Reisezeit malt ein anderes Bild auf den Asphalt. Im Sommer glüht die Luft über der Po-Ebene, und man teilt sich die Autobahn mit halb Europa – hier hilft nur Gelassenheit und eine gut gefüllte Kühlbox. Der Herbst hingegen verwandelt die Alpen in ein brennendes Farbenmeer aus Gold und Rostrot, eine Zeit für Genießer, in der die Pässe noch offen, aber die Massen schon fort sind. Wer im Winter aufbricht, muss das Abenteuer lieben: Schneeketten im Kofferraum sind Pflicht, und die kühle, klare Luft am Brenner lässt die Gipfel zum Greifen nah erscheinen, während manch kleiner Pass im Winterschlaf versinkt. Der Frühling schließlich ist das Erwachen, wenn man in Deutschland noch den Mantel braucht, aber hinter den Tunneln Südtirols bereits der erste Espresso im Freien wartet und die blühenden Apfelbäume das Tal weiß färben.

Ein zufriedenes Brummen ist Klang der Freiheit.

Es war früh am Morgen, die Luft noch kühl und klar. Ich ließ die Stadt hinter mir, die vertrauten Straßen, die sich bald in die süddeutsche Autobahn verwandelten. Das erste Ziel war die Grenze, der Übergang. Die Fahrt war zunächst eine Meditation, ein sanftes Gleiten durch Wälder und vorbei an hellgrünen Wiesen. Ich dachte nicht an Parkplätze oder Vignetten, ich ließ mich treiben. Die Berichte im Kopf, diese trockenen Listen von Autobahnnummern, waren vergessen. Stattdessen beobachtete ich, wie die Hügel an Höhe gewannen, wie sich die Täler vertieften, ein langsames, stetiges Anschwellen der Landschaft. Österreich lag vor mir. Die Alpen warteten. Im Handschuhfach klapperte eine Rolle Münzen für die Maut. Auf dem Beifahrersitz lag ein Notizbuch, bereit für Eindrücke, nicht für Verkehrshinweise.

Scharf gezackte Berge tauchen am Horizont auf.

Die Fahrt bekam eine neue Dimension, eine leichte Anspannung in den Handgelenken. Das war kein sanftes Hügelland mehr. Die Straße begann zu steigen, sich in Serpentinen zu legen. Ich hatte mich für die Brennerroute entschieden. Die A22, die Brennerautobahn, schnitt sich als graues Band durch das imposante Grün. Innsbruck glitt links vorbei, eine Stadt in einer Schachtel aus Bergen. Dann kam der eigentliche Anstieg zum Pass. Die Luft wurde dünner, das Licht intensiver, kälter. Lastwagen keuchten in ihren niedrigsten Gängen. Ich fuhr hinter einem alten Fiat, dessen Auspuff kleine Wölkchen ausstieß. An der Grenzstation zu Italien nahm ich die Vignette von der Windschutzscheibe. Ein kurzer Stopp, ein Blick in den Rückspiegel auf Österreich, dann ging es weiter, hinab. Der Übergang war vollzogen. Die österreichischen Berge wichen den italienischen.

Schönste Alpenrouten bieten Erlebnis statt Eile.

Wer die Reise zelebrieren will, lässt die Autobahn links liegen und wählt die Panoramastraße. Ein Fotostopp an der Europabrücke oder den smaragdgrünen Bergseen bietet Motive, die kein Reiseführer einfangen kann. Gastronomisch lohnt sich der Abstecher in kleine Bergdörfer: Ein echter Tiroler Speckknödel oder ein noch warmer Apfelstrudel in einer urigen Hütte schmecken nach Heimat und Abenteuer zugleich. Für Familien sind kinderfreundliche Pausenstationen mit Spielplätzen im Grünen essenziell, um die Energie der kleinen Mitfahrer in geordnete Bahnen zu lenken, bevor die Serpentinen beginnen. Es ist die Kunst des langsamen Reisens, bei der man den Berg nicht nur überquert, sondern ihn mit allen Sinnen inhaliert, bevor man in die italienische Wärme eintaucht.

Italien riecht nach Asphalt und heißem Kaffee.

Die Abfahrt von der Höhe war ein Befreiungsschlag. Die Täler öffneten sich, wurden weiter, sonniger. Die Vegetation änderte sich, wurde üppiger, fremder. Schilder wiesen auf Bozen, Trient. Ich war auf der A4 jetzt, der Autostrada, die von Mailand nach Venedig führte. Der Verkehr verdichtete sich, wurde temperamentvoller, ein orchestriertes Chaos aus Lichthupe und energischen Spurwechseln. Die Po-Ebene breitete sich aus, ein unendliches, flaches Meer aus Feldern unter einem enormen Himmel. Die Alpen waren nur noch ein blasser Rücken im Norden, eine Erinnerung. Hier war alles Geradeaus, Geschwindigkeit, Zielstrebigkeit. Die praktischen Dinge meldeten sich zurück. Ich musste tanken. Eine Autogrill-Tankstelle tauchte auf, ein tempelartiger Komplex aus Beton und grellen Lichtern. Der Kaffee aus dem Automaten war stark und süß, genau richtig.

Mestre erscheint als ein Gefühl von Endlichkeit.

Die endlose Ebene wurde von Industriegebieten, Lagerhallen und tristen Wohnblöcken abgelöst. Die Luft hing schwer und roch nach Abgasen und feuchter Erde. Hier war das Festland, der letzte Halt vor dem Wasser. Alle Hinweise, alle Ratschläge aus den Reiseführern drängten sich nun in den Vordergrund. Isola del Tronchetto, Piazzale Roma. Die Insel-Parkplätze, teuer und überfüllt. Ich sah die Schilder, folgte ihnen nicht. Die kluge, die vernünftige Wahl war Mestre. Ich verließ die Autobahn, tauchte ein in das Gewirr von Zufahrtsstraßen, suchte und fand eines der großen Parkhäuser, San Giuliano. Es roch nach kühlem Beton und Benzin. Das Auto in einer dunklen Ecke abstellen, den Motor abschalten. Die Stille danach war plötzlich und absolut. Ein Kapitel war zu Ende. Das Gepäck aus dem Kofferraum holen fühlte sich an wie das Ablegen einer Rüstung. Ich war hier zu Ende gefahren. Weiter ging es zu Fuß.

Der Pendelzug verbindet zwei völlig ferne Welten.

Die Waggons waren voll mit Tagestouristen und schwer beladenen Reisenden wie mir. Die Fahrt dauerte nur wenige Minuten, aber sie führte über den schmalen Damm, die Ponte della Libertà. Links und rechts öffnete sich die Lagune, ein riesiges, flaches, schimmerndes Wasserland, gesprenkelt mit schilfbewachsenen Inseln. Und dann, ganz langsam, tauchte sie auf. Die Silhouette. Türme, Kuppeln, ein Gewirr von Dächern, das direkt aus dem Wasser zu wachsen schien. Ein Raunen ging durch den Zug. Kameras klickten. Ich drückte meines nicht aus. Ich starrte nur. Diese erste Ansicht war ein Schlag in die Magengrube, eine Bestätigung aller Sehnsucht. Der Zug rumpelte in den Bahnhof Santa Lucia ein. Die Türen öffneten sich. Ein Schwall warmer, salziger, nach Moder und Meer riechender Luft schlug mir entgegen. Der Soundtrack wechselte von Motorengeräusch zu Wassergeplätscher, Rufen, Schritten auf Stein.

Venedig ohne Auto in den ersten Stunden erleben.

Der Transfer vom Festland ist der Moment, in dem das alte Leben am Ufer zurückbleibt. Direkt am Bahnhof oder am Piazzale Roma ist der erste Gang zum ACTV-Schalter obligatorisch: Ein Vaporetto-Ticket für 24 oder 72 Stunden ist der magische Schlüssel zur Stadt. Wer das erste Mal auf das Wasserboot steigt, sollte versuchen, einen Platz im Freien zu ergattern, um die Pracht der Paläste ungefiltert zu spüren. In den ersten Stunden gilt: Keine Panik vor den verwinkelten Gassen. Eine entspannte Orientierung gelingt am besten, wenn man den gelben Schildern Richtung „San Marco“ oder „Rialto“ folgt, aber auch den Mut hat, einmal falsch abzubiegen. Der Check-in im Hotel, das erste Ablegen der Koffer und der tiefe Atemzug salziger Luft markieren den Beginn einer Zeit, in der Räder keine Bedeutung mehr haben.

Ein Sturz in eine völlig andere Zeit beginnt.

Ich trat aus dem Bahnhofsportal und stand direkt am Canal Grande. Das Licht, dieses weiche, von der Wasseroberfläche reflektierte Gold, blendete mich für einen Moment. Die Geräusche waren ein orchestrales Gewirr: das Schlagen der Wellen gegen die pali, das Kreischen der Möwen, das Gelächter von Menschen, das Plätschern eines vorbeifahrenden Vaporettos, die Anweisungen der Gondoliere in ihrem melodischen Venezianisch. Ich roch das Wasser, alt und salzig, vermischt mit dem Duft von frischem Kaffee aus einer Bar und dem süßlichen Hauch von verfallenem Putz. Ich begann zu gehen, ohne Ziel, ließ mich treiben durch enge Gassen, über kleine Brücken, verlor sofort jede Orientierung und war froh darüber. Jeder Blick durch einen Bogendurchgang zeigte einen neuen Ausschnitt, einen versteckten Kanal, einen sonnenbeschienenen Platz. Die praktische Welt, Maut, Tanken, Parken, war eine ferne, fremde Galaxie. Hier war nur Jetzt.

Ein früher Morgen vor dem Ansturm der Massen.

Ich ging zum Riva degli Schiavoni und blickte zurück Richtung Festland. Irgendwo dort hinten, in der anonymen Betonhöhle von Mestre, stand mein Auto und wartete. Der Gedanke war seltsam, fast komisch. Die Rückreise lag vor mir, die gleichen Straßen, nur in umgekehrter Reihenfolge: die A4, der Brenner, die deutschen Autobahnen. Aber ich wusste, sie würden sich anders anfühlen. Ich war nicht mehr der Suchende, sondern der Zurückkehrende, beladen mit Bildern und Gerüchen. Die Alpen würden nicht mehr als Barriere erscheinen, sondern als Tor, das sich hinter mir schloss, um die erlebte Magie zu bewahren. Die Reisehinweise in meinem Kopf hatten sich verwandelt. Sie waren nicht mehr eine Liste von Geboten, sondern die persönliche Topographie einer kleinen Odyssee, gespickt mit den Erinnerungen an das Brummen des Motors in der steilen Steigung, den Geschmack des italienischen Kaffees an der Tankstelle, den kalten Hauch des Parkhauses und den überwältigenden Moment, als die Lagunenstadt aus dem Wasser stieg.

An grauen Tagen mache ich die Reise noch einmal.

Manchmal, an grauen Tagen zu Hause, schließe ich die Augen und mache die Reise noch einmal. Ich höre das Anspringen des Motors, spüre das leichte Vibrieren des Lenkrads unter meinen Händen. Ich sehe die schneebedeckten Gipfel am Brenner, rieche den spezifischen Geruch der Autogrill-Tankstelle auf der A4 bei Verona, fühle die erlösende Kühle des Parkhauses in Mestre nach der langen Fahrt. Und dann der Zug, der über den Damm rattert, und dieser erste, atemraubende Blick. Die Autobahnen, die Alpenpässe, die Tauern- und Brennerroute, sie sind keine bloßen Verkehrswege mehr. Sie sind die Seiten eines Buches, das ich gelesen habe, die Zeilen eines Gedichts, das mich zu seinem letzten, perfekten Wort führte: Venedig. Die Anreise war nicht der Preis für das Ziel. Sie war seine Ouvertüre.


Mit herzlichem Dank und den besten Wünschen vom mautpflichtigen Weg ins Adria-Paradies,
Ihr Asphalt-Poet und kaffeegesteuerter Lagunen-Reisender.

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*Der geneigte Leser möge entschuldigen, dass wir hier nicht im Detail beschreiben, welche Ausfahrten, Raststätten-Preise und Mauttarife im Strudel der europäischen Einigung, durch diverse Verkehrsreformen und das unaufhaltsame Verschwinden analoger Faltkarten verloren gingen. In einer Welt, in der Navigationsgeräte uns die Last des Suchens abnehmen, ignorieren wir geflissentlich, ob eine Brücke nun seit hundert Jahren steht oder erst gestern dem Betonmischer entsprang, was zählt, ist ohnehin nur die Beständigkeit der Sehnsucht, die keine Aktualisierung der Firmware benötigt.

Quellenangaben:
Inspiriert vom Navigationssystem das zähe die Route Weg nach Venedig neu berechnet.
ADAC Reiseführer: Venedig mit dem Auto planen
ASFINAG: Maut und Vignetten für die Alpenquerung
Venezia Unica: Der offizielle City Pass für Mobilität in Venedig
Wikipedia – Die freie Enzyklopädie

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