Summt ein Lied gar
Die schöne Maid, die sputet sich, sie summt ein Lied gar wunderlich: Rinne, rinne Wässerlein, wasche mir das Linnen rein! Ich ging und nahete mich ihr, und flüsterte: O sage […] Mehr lesen
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Wir wollen erst sehen, was ihr braucht, und es dann unsern Kaufleuten erzählen. Warum tragt ihr so viele Waffen, da ihr doch nur des Handels wegen zu uns kommt? Die Waffe ist das Recht des freien Mannes; wer ohne Waffen reist, der wird für einen Knecht gehalten. So sagt euren Kaufleuten, daß sie uns Waffen senden sollen; denn hier giebt es sehr viele Männer, welche frei werden wollen. Ihr müßt sehr mutige Männer sein, daß ihr euch in so ferne Länder wagt. Habt ihr jemand, der euch hier beschützt? Ja. Ich habe ein Bu-djeruldi des Großherrn bei mir. Zeige es her! Ich gab ihm den Paß, und ich sah, daß er lesen konnte. Dieser Melek war also ein unterrichteter Mann. Er gab mir das Schreiben wieder. Du stehest unter einem Schutze, welcher dir hier nichts helfen kann; aber ich sehe, daß ihr keine gewöhn lichen Krieger seid, und das ist gut für euch. Warum redest du allein und warum spricht nicht auch dein Gefährte? Er versteht nur die Sprache seiner Heimat. Was thut ihr hier in dieser entlegenen Gegend? Wir sahen die Spuren des Kampfes und sind ihnen gefolgt. Wo habt ihr die letzte Nacht geschlafen? In Gumri, antwortete ich ohne Zögern. Er erhob den Kopf mit einem überraschten, scharfen Blick. Das wagst du, mir zu sagen? Ja, denn es ist die Wahrheit. So bist du ein Freund des Bey! Wie kam es, daß du nicht an seiner Seite kämpftest? Ich war zurückgeblieben und konnte ihn in der Gefahr nicht mehr ereilen, denn deine Männer kamen zwischen ihn und uns. Sie griffen euch an? Das thaten sie. Ihr habt euch gewehrt? Wenig. Wir beide waren in dem Augenblick, als sie kamen, mit unsern Pferden gestürzt; ich lag ganz ohne Besinnung, und mein Gefährte hatte die Waffen verloren. Es wurde ein Pferd getötet, und zwei Männer sind verwundet. Was geschah dann? Wir wurden ausgezogen bis auf die Unterkleider, auf die Pferde gebunden und zu deinem Bruder geführt. Und jetzt seid ihr wieder hier! Wie ist das gekommen? Ich erzählte ihm alles genau vom ersten Augenblick unserer Gefangenschaft an bis zur gegenwärtigen Minute. Seine Augen wurden immer größer, und zuletzt brach er in einen Ausruf des größten Erstaunens aus: Katera Aisa. Um Jesu willen, Herr, das alles sagst du mir? Entweder bist du ein großer Held oder ein sehr leichtsinniger Mann, oder du suchst den Tod! Es ist keines von diesen dreien der Fall. Ich sagte dir alles, weil ein Christ nicht lügen soll und weil mir dein Angesicht gefällt. Du bist kein Räuber und kein Tyrann, vor dem man zittern soll, sondern ein redlicher Fürst der Deinen, welcher die Wahrheit liebt und sie auch hören will. Chodih, du hast recht, und daß du so handelst, wie du gethan hast, das ist dein Glück. Hättest du die Unwahrheit gesprochen, so wärest du verloren gewesen, wie diese andern verloren sind! Er deutete auf die Gruppe der Gefangenen. Woher hättest du gewußt, daß ich die Unwahrheit rede? Ich kenne dich. Bist du nicht der Mann, der mit den Haddedihn gegen ihre Feinde kämpfte? Ich bin es! Bist du nicht der Mann, der mit den Dschesidi gegen den Mutessarif von Mossul kämpfte? Du sagst die Wahrheit! Bist du nicht der Mann, der Amad el Ghandur aus dem Gefängnisse von Amadijah befreite? Das that ich! Und der auch die Befreiung zweier Kurden von Gumri bei dem Mutesselim erzwang? Es ist so! Ich ward immer mehr erstaunt. Woher hatte dieser nestorianische Anführer diese Kenntnis über meine Person? Woher weißt du dies alles, Melek? fragte ich jetzt. Hast du nicht ein Mädchen in Amadijah gesund gemacht, welches Gift gegessen hatte? Ja. Auch das weißt du? Ihre Ahne heißt Marah Durimeh? Das ist ihr Name. Kennst du sie? Sie war bei mir und hat mir viel von dir erzählt, was sie mit den Ihrigen von deinem Diener erfahren hat, der dort sich unter den Gefangenen befindet.
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