Suleika
Nicht im Rosenschmuck der Jugend fand ich dich und liebt ich dich, grau schon ringelten die Locken um der Stirne Weisheit sich, doch in deinem Kusse lodert ungezähmte Jugendkraft, […] Mehr lesen
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Nicht im Rosenschmuck der Jugend fand ich dich und liebt ich dich, grau schon ringelten die Locken um der Stirne Weisheit sich, doch in deinem Kusse lodert ungezähmte Jugendkraft, […] Mehr lesen
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und nun begann ein leises, aber
desto eifrigeres Zwiegespräch, von dem ich nur den von Mohammed Emin
gesprochenen Teil vernehmen konnte. Dazwischen hinein fragte mich der
Scheik zuweilen, ob er mir nicht zu schwer werde. Er war ein langer,
starker Mann, und deshalb war es mir schon recht, als er nach ungefähr
fünf Minuten zu Boden sprang. Emir, er muß heraus; ich kann es nicht
erwarten, sagte er. Vor allen Dingen wollen wir gehen. Steig
einstweilen voran; ich will dafür sorgen, daß man am Tage keine Fußspur
findet. Der Boden ist ja hart wie Stein! Vorsicht ist besser als
Nachlässigkeit. Er ging voran, und ich folgte bald nach. In kurzer Zeit
waren wir auf demselben Wege, den wir gekommen waren, zurückgekehrt und
befanden uns in dem Zimmer des Scheik. Er wollte nun sogleich einen
Plan zur Befreiung seines Sohnes mit mir beraten; ich aber empfahl ihm,
darüber zu schlafen, und schlich mich auf mein Zimmer. Am andern Morgen
besuchte ich zunächst meine Patientin; sie hatte nichts mehr zu
befürchten. Die Mutter war ganz allein bei ihr, wenigstens bekam ich
weiter niemand zu sehen. Sodann machte ich einen Gang durch und um die
Stadt, um eine Stelle in der Mauer ausfindig zu machen, an der es
möglich war, hinaus in das Freie zu gelangen, ohne das Thor passieren zu
müssen. Es gab eine, aber sie war nicht für Pferde, sondern nur für
Fußgänger zu passieren. Als ich wieder nach Hause kam, hatte sich Selim
Agha erst vom Lager erhoben. Emir, jetzt ist es Tag, meinte er.
Bereits schon lange, antwortete ich. O, ich meine, daß man nun besser
als gestern über unsere Sache reden kann. Unsere Sache? Ja, unsere. Du
bist ja auch dabei gewesen. Soll ich Anzeige machen oder nicht? Was
meinst du, Effendi? Ich an deiner Stelle würde es unterlassen. Warum?
Weil es besser ist, es wird gar nicht davon gesprochen, daß du während
der Nacht im Gefängnisse gewesen bist.
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