Prager Goldene Bulle,
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Es war im goldenen Oktober des Jahres 1931, als Hans Fallada in dem beschaulichen Neuenhagen bei Berlin mit der Arbeit an seinem Roman „Kleiner Mann - Was nun“ begann. Der Fluss seiner Worte schien unaufhaltsam zu sein, und so war es kein Wunder, dass er Anfang Dezember desselben Jahres bereits die Hälfte des Manuskripts vollendet hatte. Doch diese rasende Schreibgeschwindigkeit hatte ihren Preis, und Hans Fallada fühlte sich am Ende seiner Kräfte. Ausgebrannt und erschöpft begab er sich auf eine Reise nach Hiddensee, um dort Ruhe und Inspiration zu finden. Auf Hiddensee fand Fallada sein Zuhause im malerischen Neuendorfer Gasthaus Freese, wo er sich in der oberen Etage einquartierte. Die Tage vergingen in einem verträumten Rhythmus, während er lange Strandspaziergänge unternahm und nach Bernstein suchte. Doch auch in dieser idyllischen Kulisse konnte er dem Schreiben nicht entsagen. Bis kurz vor Weihnachten arbeitete er unermüdlich an seinem Arbeitslosenroman „Kleiner Mann - Was nun“, der schließlich zu seinem Durchbruch und einem Welterfolg wurde. In diesem Werk zeichnete Fallada einfühlsam das Bild einer Welt, die nach dem Ersten Weltkrieg aus den Fugen geriet, und erfasste damit die Stimmung und Ängste jener Zeit. Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen, wie Hans Fallada mit bürgerlichem Namen hieß, wurde am 21. Juli 1893 in Greifswald in gutbürgerlichen Verhältnissen geboren. Doch sein Leben war von inneren Kämpfen geprägt, insbesondere durch das schwierige Verhältnis zu seinem autoritären Vater, einem Richter am Reichsgericht in Leipzig. Schon früh fand er sich als Außenseiter wieder, sowohl in Berlin als auch in Leipzig, wo er die Schulbank drückte. Der junge Ditzen trat dem Wandervogel bei, einer noch rebellischen Jugendbewegung jener Zeit, die den Ruf der Freiheit und der Natur lautstark verkündete. Doch das Schicksal hatte andere Pläne für ihn. Mit nur siebzehn Jahren besuchte er das Fürstliche Gymnasium in Rudolstadt und schloss dort eine schicksalhafte Freundschaft mit Hanns Dietrich von Necker. In einem tragischen Duellversuch, der als Doppelsuizid getarnt war, wurde Ditzen schwer verletzt, während sein Freund den Tod fand. Die Schuld lastete schwer auf ihm, und er wurde wegen Totschlags verhaftet und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Diese dunklen Jahre prägten ihn tief, und er verließ das Gymnasium ohne Abschluss. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, meldete sich Rudolf Ditzen voller Idealismus als Kriegsfreiwilliger, doch wurde er aufgrund einer dauernden Untauglichkeit abgelehnt. Die Zeit von 1917 bis 1919 verbrachte er in Entzugsanstalten und Privatsanatorien aufgrund seiner Alkoholsucht, die ihn immer wieder heimsuchte. Erst in Posterstein fand er Halt und absolvierte eine landwirtschaftliche Lehre. Danach arbeitete er in verschiedenen Gelegenheitsjobs, meist als Gutsverwalter oder wissenschaftlicher Hilfsarbeiter. Das Leben schien turbulent, und finanzielle Probleme trieben ihn zu Betrugs- und Unterschlagungsdelikten, die ihm schließlich zwei Haftstrafen einbrachten. Nach seiner zweiten Haftentlassung im Jahr 1928 lernte er in Hamburg-Eilbek Anna Issel, genannt Suse, kennen und heiratete sie am 5. April 1929. Suse wurde zu seinem Vorbild für die Romanfigur Lämmchen. Mit ihr hatte er vier Kinder, von denen leider zwei früh verstarben. Obwohl sie verheiratet waren, lebten sie getrennt, Suse bei ihrer Mutter in Hamburg und er in Neumünster. Die Wege des Paares mochten getrennt sein, doch Hans Fallada fand seine Berufung in dieser Zeit. Er trat den Guttemplern bei, einer Organisation zur Bekämpfung von Alkoholismus, und arbeitete als Anzeigenwerber für eine Lokalzeitung sowie als Angestellter des Fremdenverkehrsverbandes. Die 1930er Jahre brachten schließlich den schriftstellerischen Durchbruch für Ditzen. Sein Roman über Kleinstadtpolitik und die Landvolkbewegung, der den bezeichnenden Titel „Bauern, Bonzen und Bomben“ trug, erregte deutschlandweit Aufsehen. Auf Empfehlung des Verlegers Ernst Rowohlt zog die Familie nach Neuenhagen bei Berlin. Ditzen fand eine Anstellung im Verlag und konnte sich somit ganz dem Schreiben widmen. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. „Kleiner Mann - Was nun?“ wurde zu einem Bestseller und brachte ihm sowohl national als auch international Anerkennung. Nach diesem großen Erfolg erwarb er 1933 ein Anwesen in Carwitz und veröffentlichte weitere sozialkritische Romane wie „Wer einmal aus dem Blechnapf frisst“, in dem er seine eigenen Erfahrungen aus der Haft in Neumünster verarbeitete. Angesichts der ablehnenden Haltung der Nationalsozialisten gegenüber seinen Werken wandte er sich später politisch unverfänglicher Unterhaltungsliteratur zu. Der Künstlername „Hans Fallada“ war eine Hommage an zwei Grimmsche Märchen, die ihm besonders am Herzen lagen. Einerseits erinnerte er sich an den glücklosen Hans im Glück, andererseits an die Gänsemagd, in der ein Pferd namens Falada eine wichtige Rolle spielte. Dieses Pferd behielt selbst nach seinem Tod die Fähigkeit, die Wahrheit zu sagen, bis die betrogene Prinzessin zu ihrem Recht kam. Im Jahr 1944 wurde die Ehe zwischen Hans Fallada und Suse geschieden. Die Trennung verlief nicht ohne Streit, und in einem hitzigen Moment schoss Fallada mit einem Terzerol in den Tisch. Er wurde wegen versuchten Totschlags angeklagt und schließlich als nicht zurechnungsfähig in die Strelitzer Landesanstalt eingewiesen. Dort entstand sein Werk „Der Trinker“. Im Februar 1945 heiratete er Ursula Losch, die fast 30 Jahre jünger war und mit ähnlichen Drogenproblemen zu kämpfen hatte wie er selbst. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Fallada für kurze Zeit Bürgermeister in Feldberg in Mecklenburg. Anschließend zog er nach Berlin und arbeitete auf Wunsch von Johannes R. Becher für die Tägliche Rundschau. Leider wurden Falladas Alkohol- und Morphinsucht im Jahr 1945 in dem als Lazarett genutzten Schulgebäude in Berlin-Niederschönhausen behandelt, wo er schließlich an Herzversagen verstarb. Es wird gemunkelt, dass eine Überdosis Rauschgift zu seinem Tod beigetragen haben könnte. In seinem Todesjahr erschien mit „Jeder stirbt für sich allein“ das erste Buch eines deutschen Schriftstellers, das sich mit dem Widerstand gegen Hitler befasste. Ursprünglich wurde Hans Fallada bis 1981 in einem Ehrengrab auf einem Pankower Friedhof beigesetzt. Später wurde auf Betreiben von Anna Ditzen, seiner Ex-Frau, sein Grab nach Carwitz verlegt, wo es auch heute noch besucht werden kann. In diesem idyllischen Ort findet man eine letzte Ruhestätte, die zugleich ein Ort der Erinnerung an den begabten Schriftsteller ist. Die Insel Hiddensee, auf der Fallada Zuflucht suchte, verströmt auch heute noch eine ganz besondere Atmosphäre. Man kann sich vorstellen, wie der Schriftsteller am Strand entlangspazierte und nach Bernstein suchte, während er seine Gedanken formte und seine Geschichten in die Welt brachte. Die Ruhe und Gelassenheit der Insel spiegeln sich auch in Falladas Schreibstil wider. Seine Werke zeugen von einer tiefen Menschlichkeit und einer scharfsinnigen Beobachtungsgabe. So wie das Meer seine Wellen an den Strand trägt, trug Hans Fallada seine Geschichten zu uns, und sie berühren uns noch heute. Auf Hiddensee, dieser verträumten Insel, fand Fallada die Inspiration und den Frieden, die er brauchte, um seine Werke zu vollenden. Das Neuendorfer Gasthaus Freese in der oberen Etage wurde sein vorübergehendes Zuhause, ein Ort, an dem er sich in Ruhe dem Schreiben widmen konnte. Von hier aus sandte er seine Gedanken und Geschichten hinaus in die Welt, und die Menschen empfingen sie mit offenen Armen. Es war auf dieser Insel, dass Fallada den Durchbruch zum Welterfolg schaffte und mit „Kleiner Mann - Was nun?“ eine zeitlose Erzählung schuf, die den Nerv der damaligen Zeit traf. Das Leben von Hans Fallada war von Höhen und Tiefen geprägt, von persönlichen Kämpfen und gesellschaftlichen Umbrüchen. Doch trotz aller Schwierigkeiten und inneren Dämonen fand er immer wieder den Mut und die Kraft, seine Geschichten zu erzählen. Sein Werk ist ein Vermächtnis, das uns daran erinnert, dass auch in den dunkelsten Zeiten Hoffnung und Menschlichkeit existieren. Hans Fallada wird nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Symbol für Tapferkeit und Ausdauer in Erinnerung bleiben.
*Der geneigte Leser möge entschuldigen, dass wir nicht erwähnen, welche Orte, Ortsnamen und Sehenswürdigkeiten im Verlaufe der vergangenen mehr als 100 Jahre, durch den ersten und zweiten Weltkrieg, viele Jahre entwickelte Sozialistische Gesellschaft und mehrerer Rechtschreibreformen verloren gingen oder geändert wurden.
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